Zeigerpflanzen im Grünland zeigen Fehler der Bewirtschaftung auf

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Fragen an den Bodenexperten Dietmar Näser:

Welche weiteren (neben Ampfer und Löwenzahn) Zeigerpflanzen sind auf falsch bewirtschafteten Grünlandflächen zu finden?

Pflanzen und „ihre“ Mikroben an den Wurzeln steuern sich gegenseitig. Man kann also Pflanzen nutzen, die Bodenmikroben zur Nährstoffspeicherung und Humusbildung zu bringen. Deswegen können sie beim Selbstansatz vom Bodenverjünger mitfermentiert werden. Nährstoffspeicherung und Humusbildung gehen verloren bei Verdichtung, Überdüngung und Überweidung.
Unkräuter sind dann ein „Notfallsystem“ für die Bodenbiologie, sie haben den effizienteren Stoffwechsel als Kulturarten. Ihr Vorteil: sie ziehen sich zuverlässig zurück, durch „schlaue“, die Bodenmikroben mitfördernde Bewirtschaftung. Wenn man den Kulturpflanzen und ihren partnerschaftlichen Mikroben an den Wurzeln beste Bedingungen schafft – zieht sich das „Unkraut“ zurück. Ertragreiche Aufwüchse bester Qualität und abnehmender Aufwand mit den ungeliebten Pflanzen sind zwei Seiten der gleichen Medaille.

 

Hahnenfuß (Ranunculus arvensis):

Hahnenfuß (Ranunculus arvensis)

Graben Sie Unkräuter, die Sie ärgern aus und betrachten Sie die „Unterseite“! Dort, an den Wurzeln, sieht und riecht man einiges von den Aufgaben dieser Unkräuter und ihrer Mikroben. Hahnenfuß hat ein weißes Wurzelbüschel, ohne Verzweigungen, keine anhaftende Erde, alle gleich dick, etwa 1,5 mm. Es riecht streng, man kann die Giftigkeit fast ahnen. Graswurzeln sind dort kaum zu sehen, und wenn, dann sind sie spärlich und braun. Hahnenfuß wächst, wo es feucht und strukturlos ist, wo wurzelzersetzende Bodenmikroben den Gräsern schaden. Durch seine beißenden Inhaltsstoffe hält er sich die Wurzelzersetzer fern, er belebt also den Boden, wo es andere Pflanzen nicht können. Die oft (nicht immer) niedrigen pH-Werte – auch auf Kalkböden – zeigen, dass Hahnenfuß wächst, wo Kalzium, nicht verfügbar ist. Der fehlende Erdanhang weist auf viel zu geringe mikrobielle Artenvielfalt im Boden hin – kein Wunder bei Verdichtung. Deswegen ist auch der Wasserhaushalt auf diesem Standort gestört, das Wasser kann nicht versickern, nicht biogen durch Humusbildung gebunden werden.

Da sind die Ansatzpunkte:

  1. Gekonnt lockern
  2. Mikrobielle Vielfalt fördern – deswegen mit Bodenverjünger-Einspritzung arbeiten
  3. Düngen (Kalk, Schwefel, Phosphor, Kalium und Mikro´s nach Bodenuntersuchungsergebnis). Organische Dünger beleben – unbelebte organische Dünger sorgen für passive Verdichtung – der Boden zieht sich zusammen!
  4. Weide und Mahd abwechseln. Bodengare im Herbst und Frühjahr mit dem Spaten + Sonde beobachten – bei Wiederverdichtung wieder lockern.

 

Kreuzkraut (Senecio jacobaea):

Kreuzkraut (Senecio jacobaea):

Auch beim Kreuzkraut findet man Wurzeln wie am Hahnenfuß, nur noch deutlicher weißer und etwas dicker. Es sind die gleichen Zusammenhänge: dichter, oft durchnäßter Boden läßt mikrobielle Vielfalt nicht zu, die Bodenmikroben leiden unter Energiemangel, weil die Gräser Stress haben, es dominiert daher die abbauende Mikroflora. Die Natur gleicht aus, indem sie dem giftigen Kreuzkraut den Keimreiz gibt. Das Gift nimmt es aus dem Boden auf: Es ist das Leichengift Putrescin, ein Produkt der Eiweißfäulnis. Die Alkaloide des Kreuzkrautes, für Mensch und Nutztier giftig, sind im Boden ein selektiv wirkendes Antibiotikum. Mikroben, die Nährstoffverluste fördern, werden gehemmt. Wenn die Natur zu Giftpflanzen greift, ist das Problem des mikrobiellen Artenmangels groß genug.

Zusätzlich zeigt es durch seine Behaarung, dass es Silizium verfügbar macht, den zweitwichtigsten Nährstoff in der biochemische Reihenfolge der Pflanzenernährung (Lovel). Kalzium folgt danach!

Das Kreuzkraut nimmt ab, wenn in der normalen Bewirtschaftung die mikrobielle Vielfalt gefördert wird und damit die Lebensfunktionen des Bodens verbessert werden:

 

  1. Grünland belüften und lockern – mit eingespritzten Pflanzenfermenten (Bodenverjünger)! Das Habitat – der Wohn- und Arbeitsort der Bodenmikroben an den Wurzeln sieht man auf dem Spaten! Die Sonde zeigt zu- oder abnehmende Gare!
  2. Düngen, was fehlt. Silizium kann durch Biolit zugeführt werden! Organische Dünger beleben!
  3. Blattdüngung im Hauptwachstum des Aufwuchses mit Komposttee und Biolit ultrafein
  4. Weide und Mahd abwechseln. Bei Wiederverdichtung erneut lockern.

 

Gemeine Rispe (Poa trivialis):

Gemeine Rispe (Poa trivialis)

Sie liebt die feuchten und gut gedüngten Standorte des Voralpenlandes. Wieder verrät die Wurzel mehr, als die Bücher (und Online-Enzyklopädien): Wo Gräser nur zwei Zentimeter tief wurzeln können, wächst sie und nicht die Futtergräser und der Klee. Denn dort stinkt der Boden – weil er verdichtet und verfilzt ist – das ist wieder kein Habitat für eine artenvielfältige Mikroflora an den Wurzeln. Dort stimmt die Bodenatmung nicht. Die Mähnutzung und Gülleausbringung mit heutigen Achslasten, noch dazu bei feuchtem Wetter, verschlechtern die Bodenoberfläche rasch. Das Wetter läßt sich nicht vermeiden, und wenn die Rispe zu viel wird, kann man:

  1. Grünland belüften und lockern – mit eingespritzten Pflanzenfermenten (Bodenverjünger)!
  2. Belebte Gülle herstellen! Die kann man bei Sonnenschein fahren!
  3. Nur gemähte Standorte gelegentlich zur Flächenrotte flach einschälen und neu ansäen. Achtung: leistungsstarke Neuansaaten brauchen nach unten offene Böden und Gleichgewichte herstellende Düngung! Oft fehlt zuerst Schwefel! Was genau fehlt, steht in der Bodenuntersuchung!

Ihr
Dietmar Näser
www.gruenebruecke.de

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Ein Gedanke zu „Zeigerpflanzen im Grünland zeigen Fehler der Bewirtschaftung auf“

  1. Danke für dieses Interview mit einem Bodenexperten. Ich mag es mehr zu lesen über Bodenuntersuchungen. Mein Haus befindet sich in einem ehemaligen Industriegebiet und ich ließ vor dem Kauf des Hauses eine Bodenuntersuchung durchführen.

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