Grünlandfeldtage mit Dietmar Näser in Kochel und Grassau

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Am 16. und 17.08.2018 fanden bei hochsommerlichen Temperaturen die Grünlandfeldtage „Pfluglose Grünlanderneuerung – Bodenbearbeitung in der regenerativen Landwirtschaft“ statt.

Die beiden Landwirte Helmut Bach, Kochel am See und Jakob Sichler, Grassau stellten jeweils für einen Nachmittag Grünlandflächen zur Verfügung.

Zu Beginn stellte der jeweilige Betriebsleiter seinen ldw. Betrieb kurz vor.
Dietmar Näser veranschaulichte anhand von Plakaten das System „Regenerative Landwirtschaft“ vor. Aufbauende Mikrobiologie im Boden ist notwendig, um gesunde und ertragreiche Pflanzen zu ernten. Boden bilden Pflanzen – Pflanzen bilden Boden. Sie sind ein einheitliches, lebendes System.

  

Generell gilt: Vor jeder Bodenbearbeitung eine „Bodenansprache“ durchführen. Mit der Bodensonde evtl. Bodenverdichtungen feststellen. Mit dem Spaten einen Quader herausstechen und die Durchwurzelung, Farbe, Farbverläufe, Krümelstruktur und den Geruch beurteilen. Guter Boden ist rundkrümelig-locker, gut durchwurzelt und stinkt nicht.

Zusätzlich wurde ein Bodenprofil (ca. 50 cm Tiefe) gegraben. Hier wurde deutlich sichtbar, das auf dieser Fläche seit einigen Jahren der Grasnarbenbelüfter (ca. 15 cm Arbeitstiefe) erfolgreich eingesetzt wurde. In den obersten ca. 15 cm war das Bodengefüge gut. Allerdings in den tieferen Schichten waren nur vereinzelt Regenwurmgänge vorhanden und es zeigte sich eine Bodenverdichtung. Trockenheitsbedingter Ertragsrückgang ist dieses Jahr die Folge.

Auf dem Grünland ist neben der Bodenansprache zusätzlich noch die Pflanzenbeurteilung ein wichtiger Bestandteil. Ein wertvoller Futterbestand setzt sich zusammen aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen.

Treten sog. Zeigerpflanzen auf, so können bereits Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit geschlossen werden. So deuten Ampfer und Löwenzahn auf Bodenverdichtungen hin und Nährstoffverlagerung in tieferen Bodenschichten. Mit ihren starken und langen Pfahlwurzeln lockern sie den Boden und holen sich die Nährstoffe aus der Tiefe. Werden die Pfahlwurzeln vorsichtig ausgegraben haben sie oftmals einen Knick oder eine starke Krümmung. Dies ist meist genau in der Tiefe, wo die Bodenverdichtung vorliegt.

Werden die Bodenverdichtungen aufgelöst und die Düngung auf EM-behandelte Wirtschaftsdünger umgestellt, verschwinden diese Pflanzen aus der Wiese – das ist „Pflanzenschutz“ in seiner natürlichsten Weise. Im Grünland sind Nährstoffe in Tiefen von mehr als 10-15 cm für die wertvollen Futterpflanzen verloren. Wird Pflanzenkohle in Kombination mit EM in Gülle, Mist und Kompost eingesetzt werden die Nährstoffe in den Kohleteilchen gepuffert und in den oberen Bodenschichten gehalten. Es erfolgt keine Auswaschung in tiefere Bodenschichten.

Unterbodenlockerung
Ist die Tiefe der Bodenverdichtung ermittelt, kann der Unterbodenlockerer für die passende Arbeitstiefe eingestellt werden. Hierzu gibt es von der Fa. Kollitsch einen praxiserprobten Tiefenlockerer bis 60 cm Arbeitstiefe. Bei einer max. Fahrgeschwindigkeit von 5 km/h, lockert er den Boden optimal. Das Gerät hat eine Arbeitsbreite von 3 m und ist ausgestattet mit 4 stabilen Lockerungsscharen mit jeweils einem Scheibensech voraus. Der Kraftbedarf liegt bei 100 -130 PS. Das vorlaufende Scheibensech schneidet den Boden, die Grasnarbe und evtl. Ernterückstände vor um ihn mit dem Lockerungsschar optimal zu Öffnen und Brechen. Die Tiefenlockerung wirkt nach unten, nach rechts und links – durch die natürlichen Prozesse des Reißens wird der Boden auch zwischen den Lockerungsscharen und nach unten gelockert. Zum sofortigen verschließen der Lockerungsschlitze können auf Wunsch verschiedene Nachlaufgeräte (z.B. Wellscheibe, Fräse, Kreiselegge) angebaut werden.

Zusätzlich zur Tiefenlockerung wird der Bodenverjünger direkt in die Schlitze am unteren Ende des Lockerungschares eingesprüht. Durch das tiefe Lockern kommt kurzzeitig Sauerstoff und Luft in den Boden, der zusammen mit dem Bodenverjünger das mikrobiologische Bodenleben unterstützt. Nach dem Lockern muß der Schlitz wieder verschlossen werden, um den Gasaustritt aus dem Boden zu verhindern.

Die Tiefenlockerung sollte nur in der Vegetationszeit durchgeführt werden, wenn die Bodenmikroben ihre „Arbeitstemperatur“ haben.

Zur Lockerung von sehr hartnäckigen und stark- oder mehrschichtigen Bodenverdichtungen sind evtl. mehrere Lockerungsgänge auf Jahre verteilt notwendig.

Fräsen – Flächenrotte – Neueinsaat
Ist die Grasnarbe sehr lückig, d.h. mehr als 50% der Fläche unbewachsen ist, empfiehlt sich eine pfluglose Grünlanderneuerung. Hierzu wird mit der speziellen Ackerfräse auf ca. 3 cm Tiefe die Grasnarbe zerkleinert und zur Flächenrotte gebracht.

Hierzu wird mit einem Dosiergerät auf der Fräse der Bodenverjünger mit eingearbeitet. Je nach Menge der eingearbeiteten organischen Masse (Grasnarbe, evtl. Aufwuchs) kann nach ca. 2-12 Tagen nach nochmaligen Fräsen eine dem Standort angepasste Grünlandmischung gesät werden. Vor der ersten Fräsung empfiehlt es sich, die Tiefenlockerung mit Bodenverjünger-Einbringung durchzuführen. Der Spätsommer ist ein sehr guter Zeitpunkt zur Grünlanderneuerung.

  

Bodenverjünger
Der Bodenverjünger ist ein neues Produkt, das preislich etwas günstiger als EM-aktiv ist und speziell für die Flächenrotte konzipiert wurde, erläutert Christoph Fischer. Sepp Oppenrieder stellt die Vorgehensweise zum Selbstansetzen des Bodenverjüngers vor.

Vorstellung_Bodenverjünger  

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Familien Bach und Sichler für die Unterstützung.
Weitere Infos und technische Daten der eingesetzten Geräte:

www.Ackerfräse.at

www.kollitsch-gmbh.com

Eine kurze Zusammenfassung über Zeigerpflanzen von Dietmar Näser können Sie hier lesen.

 

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