Bodenbearbeitung in der Regenerativen Landwirtschaft

Regenerative Landwirtschaft - Bodenbearbeitung - Feldtag
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Feldtag „Bodenbearbeitung in der Regenerativen Landwirtschaft“
Bei herrlichem Sommerwetter fand am 24.07.2018 auf dem Biobetrieb Weißhäupl in Haibach ob der Donau (Oberösterreich) der Feldtag „Bodenbearbeitung“ statt.

Weisshäupl_stellt_Betrieb_vor

Unter dem Motto „Nach der Ernte ist vor der Ernte und gute Erträge werden im Herbst gemacht“ wurde von den Referenten die Bodenbearbeitungsmöglichkeiten in der Regenerativen Landwirtschaft vorgestellt. Zu Beginn stellte Gerhard Weißhäupl seinen interessanten landwirtschaftlichen Biobetrieb (Ackerbau und Legehennen) vor.

Dietmar Näser veranschaulichte das System „Regenerative Landwirtschaft“ und anschließend ging es auf das Stoppelfeld wo die Maschinen und deren Arbeitsweise im Einsatz zu sehen war

Tiefenlockerung und Fermenteinspritzung
Der Tiefengrubber von der Firma Kollitsch ist mit 4 Zinken ausgestattet. Zum oberflächigen verschließen der Grubberschlitze ist eine hydraulisch einstellbare Wellscheibe als Nachläufer angebaut.

Von der Fa. Bremer ist ein Tiefengrubber mit 6 Zinken und als Nachläufer eine Stabwalze mit Striegl im Einsatz.
Beide Geräte sind mit einem Dosiergerät zu Einbringung des Bodenverjüngers (ca. 100 l/ha) ausgestattet.

Die Tiefenlockerung soll nur in der Vegetationszeit mit einer Fahrgeschwindigkeit von max. 5 km/h durchgeführt werden. Arbeitstiefen bis zu ca. 45 cm sind je nach Bodenbeschaffenheit empfehlenswert.

Generell gilt: Vor jeder Bodenbearbeitung eine „Bodenansprache“ durchführen. Mit der Bodensonde evtl. Bodenverdichtungen feststellen. Mit dem Spaten einen Quader herausstechen und die Durchwurzelung, Farbe, Farbverläufe, Krümmelstruktur und den Geruch beurteilen. Guter Boden ist krümelig-locker, gut durchwurzelt und stinkt nicht.

Spatenprobe mit Bodenansprache

Anhand des Ergebnisses wird das passenden Bodenbearbeitungsgerät und die notwendige Bearbeitungstiefe festgelegt.

Die tiefe Lockerung erzeugt im Boden zahlreiche feine Haarrisse, auch zwischen den Zinken, Luft und Sauerstoffe kommen kurzzeitig in den Boden. Die Pflanzen wurzeln in den Rissen und die Wurzelmasse wird erhöht. Bei Starkregen versickert das Wasser besser und wird in tieferen Bodenschichten gehalten.  Um die Kapillarwirkung zu unterbrechen ist der oberflächige „Verschluss“ der Zinkeschlitze unbedingt notwendig. Somit hält der Boden auch in Trockenzeiten das Wasser relativ lange.

Schon wenige Tage nach der Tiefenlockerung kann eine positive Veränderung des Bodens mit der Spatenprobe festgestellt werden: lockere Krümmelstrukturen entstehen, die Bodenfeuchte bleibt erhalten und die Wurzeln der Quecken sterben ab.

Zwischenfruchteinarbeitung und Saatbeetbereitung
Das flache Einarbeiten (schälen) von Stoppeln und Zwischenfrüchten mit der Ackerfräse auf ca. 3 cm unterstützt das Bodenleben, hält das Wasser im Boden und vermischt keine Bodenschichten. Hierzu wird der Bodenverjünger (ca. 100 l/ha) zum positiven Steuern der Flächenrotte eingesetzt.

Stoppeln und Zwischenfrüchte sollen nicht „vergraben“ sondern flach eingearbeitet werden.

Ca. 10-14 Tage nach der Schälung kann die Tiefenlockerung mit der Einbringung des Bodenverjüngers (ca. 100 l/ha) und der nachfolgenden Saat erledigt werden.

Bei nur geringer Menge einzuarbeitender organischer Masse kann auch das Kombigerät Tiefenlockerung-Ackerfräse eingesetzt werden. Hierzu wird erfahrungsgemäß auf 5-7 cm tief gefräst.

Kombigerät: Tiefenlockerung und Ackerfräse

 

Nach dem Feldrundgang und dem Kräuter sammeln, führte Sepp Oppenrieder das Ansetzen des Bodenverjüngers vor. Hierzu sind die Komponenten für 1.000 l fertiges Ferment im „Startpaket“ enthalten.

 

Asentzen des Bodenverjüngers mit gesammelten Kräutern

Bis zum Schluss der Veranstaltung waren die zahlreichen Fragen der Teilnehmer von den Referenten alle beantwortet.

 

Fazit mit dieser Art (Schälen, Tiefenlockerung und Fermenteinbringung) der Bodenbearbeitung wird:

  • das Bodenleben unterstützt
  • die Bodendurchwurzelung gefördert
  • der Wildkrautdruck reduziert
  • der Humusaufbau gefördert
  • das Wasserhaltvermögen und -versickerung gesteigert

Dürreperioden werden von den Pflanzen besser überwunden und sind resistenter vor Krankheiten. Letztlich wird auf Chemie verzichtet, was der Natur und uns Menschen zu Gute kommt.

Detaillierte Infos, Technische Daten, usw. zu den eingesetzten Maschinen findet Ihr im Internet:
www.Ackerfräse.at
www.kollitsch-gmbh.co
www.bremer-maschinenbau.de

Noch ein paar Interessante Tipps von den Fachleuten zu Saat und Düngung:
Saat von Wintergetreide mit verminderter Saatstärke (ca. 90 kg/ha) zusätzlich mit einer abfrierenden Zwischenfrucht. Den Bestand am Ende der Vegetation auf ca. 10 – 12 cm Höhe mähen/mulchen. Das am Boden liegende Grüngut und die abfrierende Zwischenfrucht bildet eine Mulchschicht, dient den Regenwürmer als Futter und hält die Bodenfeuchtigkeit. Das Wintergetreide bestockt im Frühjahr sehr kräftig. Zusätzlich kann zu Vegetationsbeginn noch eine Untersaat ausgebracht werden.

Dietmar Näser: „Wir füttern nicht die Pflanzen, sondern wir ernähren und unterstützen das Bodenleben“.

Organische Dünger (Gülle, Mist, Kompost, Gärrest, usw.) nur auf wachsende grüne Bestände ausbringen und nicht vergraben.

Dem Standort angepasste weite Fruchtfolgen sollten für jeden Ackerbauern eine Selbstverständlichkeit sein.

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